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Gemeinsam gefordert

Sendener Sonntagsgespräch zu Nitrat im Wasser

„Nitrat im Wasser?“ Unter dieser Fragestellung stand das letzte „Sendener Sonntagsgespräch“ des SPD Gemeindeverbands Senden im „Hotel Niemeyers 1886“. Die Reihe der hiesigen Sozialdemokraten greift aktuelle Themen auf, die mit einem fachkundigen Podium diskutiert werden. Zu Beginn begrüßte der Vorsitzende Lambert Lonz die 30 Gäste und freute sich, dass auch dieses Thema großen Anklang gefunden hat. Nach dem obligatorischen gemeinsamen Frühstück brachte Dipl.-Ing. Ulrich Peterwitz, Abteilungsleiter Wasserwirtschaft der Gelsenwasser AG, die Anwesenden zunächst mit einer kleinen Präsentation auf einen gemeinsamen Sachstand. Nitrat, das durch eine chemische Reaktion von Stickstoff und Sauerstoff gebildet wird, lagert sich im Boden und vor allem Grundwasser an. Dieses ist Grundlage für das Trinkwasser. Der Stoff ist für Menschen insofern bedenklich, als dass er zu giftigem Nitrit weiterreagieren und sogar krebserregend wirken kann. Hauptsächlich tragen Verkehr, Kraftwerke und die Landwirtschaft zur Belastung bei, wobei diverse Richtlinien der EU und Bundesrepublik den Nitratgehalt zu regeln versuchen. Der Nitratgehalt der Stever unterlag in den letzten 30 Jahren teils starken Schwankungen, so Peterwitz. In der angrenzenden Region Hohe Mark mussten bereits Brunnen und ein Wasserwerk geschlossen werden. Dies ist im Kreis Coesfeld aktuell zwar nicht zu befürchten, dennoch besteht Handlungsbedarf, weil Stickstoffkreisläufe nicht geschlossen sind, sondern auch wandern können. Peterwitz hob hier die Bedeutung von Kooperation z.B. mit den Landwirten hervor, welche unter anderem finanziell unterstützt werden, wenn sie weniger Nitrat bei der Düngung einsetzen und so eventuelle Ernteeinbußen enstehen. Die Beteiligung, so Peterwitz, sei jedoch leider noch zu gering. Der Boden verfügt zwar auch selbst über Reinigungsstoffe wie das sogenannte Katzengold, die Nitrat filtern können. Dennoch sei es wichtig, jetzt aktiv zu werden, und zwar nicht nur aufgrund der Gesundheitsgefährdung, sondern auch, weil die Kosten für die Wasseraufbereitung von nitratbelastetem Grundwasser deutlich steigen. Dass die Landwirte nach und nach umdenken müssen, bestätigte auch Michael Uckelmann als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands. So würde mittlerweile verlustärmer gedüngt. Dennoch sei man aber nun mal auch der „freien Natur“ und dadurch Ausschlägen durch Witterung ausgesetzt. Ein weiteres Problem sei, dass der Boden in manchen Regionen mehr Nitrat verarbeiten und dadurch mehr Gülle eingesetzt werden könnte, während in anderen Regionen Überschüsse vorliegen. Durch moderne Techniken plane man daher Gülle das Wasser zu entziehen und als trockenes Düngeprodukt leichter transportfähig zu machen. Im Anschluss an die Impulse folgte eine offene Diskussion mit dem Publikum, welches mitunter kritisch reagierte. Bundesweit herrsche oft das Motto vor „viel hilft viel“. Modernere Techniken bis hin zur Digitalisierung können viel bewirken. Ebenso waren Stimmen zu hören, die Massentierhaltung und den Einsatz von Medikamenten kritisierten, welcher sich ebenso auf die Trinkwasserqualität auswirke. Seitens der Landwirte wurde auf der anderen Seite jedoch auch die Rolle der Verbraucher kritisiert, die größtenteils nicht bereit sind, für weniger ertragreiche Ernten am Ende im Laden mehr zu bezahlen. Das Fazit des etwa zweistündigen Austauschs war, dass alle Akteure gefordert sind. Nur durch gemeinsame Anstrengungen könne man auch zukünftig drastische Maßnahmen umgehen.

Ulrich Peterwitz (stehend) refererierte zum Thema Nitrat im Wasser. Michael Uckelmann (ganz links am Tisch hinten) vertrat die Seite der Landwirte.

Im Gespräch mit Sendener Sozialdemokraten und Gästen:(v.l.n.r.) Ulrich Peterwitz (Gelsenwasser), Lambert Lonz (SPD Gemeindeverband), Michael Uckelmann (Landwirtschaftlicher Kreisverband), Jan-Peter Klingelhöfer (Ortsvereinsvorsitzender Senden)

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